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Wieder Notabschaltung nach Störfall im AKW Leibstadt

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Beim schweizer AKW Leibstadt ist es in der Nacht auf Sonntag, nur zweieinhalb Wochen nach dem letzten Störfall, schon wieder zu einer Notabschaltung gekommen. Grund dafür war wie schon bei der letzten Panne eine Störung an einem Vordruckregler. Das Kernkraftwerk Leibstadt, kurz KKL, mit einem Siedewasserreaktor BWR-6 von General Electric mit 1220 MW elektrischer Nettoleistung, befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Leibstadt (Kanton Aargau, Schweiz) am Rhein nahe der Aare-Mündung und der deutschen Grenze bei Waldshut-Tiengen gegenüber der Ortschaft Dogern. Es ging Ende 1984 in Betrieb und ist damit der jüngste der fünf Kernreaktoren in der Schweiz. Es erzeugt ein Sechstel des in der Schweiz erzeugten Stroms. Der automatische Abschaltvorgang erfolgte gemäss Angaben des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorates (ENSI) am Sonntag um 2.16 Uhr. Der abgeschaltete Reaktor befindet sich in einem stabilen Zustand. Das Messnetz des ENSI zur automatischen Dosisleistungsüberwachung in der Umgebung der Kernkraftwerke (MADUK) zeigte keinen Anstieg der Radioaktivität an.

Weitere Störfalle

Am 11. August 1995 um 8.22 Uhr ereignete sich im KKW Leibstadt während der Revisionsarbeiten eine Wasserstoff-Verpuffung. Zwei Angestellte erlitten Verbrennungen dritten Grades. Die Monteure wollten im Maschinenhaus einen Teil der Hilfsdampfanlage überprüfen. Sie öffneten bei einem der Behälter einen Deckel; der austretende Wasserstoff entzündete sich. Im Normalbetrieb befindet sich im betroffenen System Frischdampf, der aus dem Reaktor kommt und demnach kontaminiert ist. Der Unfall fand im nicht-nuklearen Teil der Anlage statt. Am 28. März 2005 wurde das Kraftwerk auf Grund eines Erdschlusses im Generator heruntergefahren. Während der vorgezogenen Revision gab es einen Störfall der INES-Stufe 1. Am 2. September ging das Kraftwerk zurück ans Netz. Im Jahr 2007 meldete das KKW Leibstadt der Bundes-Atomaufsicht drei Vorkommnisse. Während die Aufsichtsbehörde, die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK), zwei der Zwischenfälle als Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung einstufte, klassierte sie die Reaktorschnellabschaltung wegen fehlerhafter Auslösung des automatischen Druckabbausystems am 6. März 2007 auf der INES-Stufe 1 als Störung, d. h. einer Abweichung von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage.

Bei der Jahresrevision 2010 ereignete sich ein Störfall (INES-2), bei dem ein Mitarbeiter an der Hand verstrahlt und der Jahresdosisgrenzwert für Hände überschritten wurde.

Im Juli 2014 wurde zufällig entdeckt, dass bereits im Jahr 2008 von Fremdpersonal zur Anbringung von Feuerlöschern insgesamt sechs wanddurchdringende Bohrungen durch das Primärcontainment vorgenommen worden waren. Sie wurden nach der Entdeckung zunächst provisorisch abgedichtet. Von der schweizerischen Atomsicherheitsbehörde ENSI wurde der Vorgang scharf kritisiert: Ein solches Vorkommnis dürfe nicht passieren und weise auf ein bedeutendes Defizit im organisatorischen Bereich hin. Der Vorfall wurde auf der INES-Skala mit Stufe 1 bewertet. Die Reparaturen wurden von dem ENSI am 18. Juli akzeptiert, darüber hinaus will die Behörde die vom Kernkraftwerk festgelegten Massnahmen zur zukünftigen Verhinderung solcher Vorkommnisse überprüfen.

Schon 2014 kommt es an einem Hüllrohr zur Oxidation und Leckage von Radioaktivität in den Wasserkreislauf, was durch ENSI am 1. Februar 2017 publik wird.

Im Rahmen der geplanten Brennstoff-Inspektionen während der Jahreshauptrevision 2016 wurden an einigen Brennelementen lokale Verfärbungen am Hüllrohr der Brennstäbe entdeckt. Dies führte zu einem verlängerten Stillstand der Anlage. Die Verfärbungen an den Brennelementen sind auf Oxidationen zurückzuführen. Die Oxidationsstellen waren lokal, zwischen 3 und 4 Millimeter bis 25 Zentimeter lang und befanden sich am oberen Teil des rund vier Meter langen Brennstabs. Die abschliessende Ursache der Oxidationen, die vom ENSI als Vorkommnis der INES-Kategorie 1 eingestuft wurde, ist noch nicht geklärt. Unter Auflagen des ENSI ging der Reaktor mit einer reduzierten Leistung im Laufe des 17. Februars 2017 wieder ans Netz, wurde aber bereits in der folgenden Nacht wegen einer Fehlfunktion in der Abgasanlage im nicht-nuklearen Bereich wieder abgeschaltet. Nach erfolgreicher Reparatur der Abgasanlage im Maschinenhaus wurde das Kraftwerk am 20. Februar 2017 schrittweise hochgefahren und um 17.10 Uhr mit dem Stromnetz synchronisiert.

Vor den aktuellen Notabschaltung war es auch am 26. April 2019 zu einer Schnellabschaltung aufgrund von Störungen an einem Vordruckregler gekommen.

 

Bild: Pixbay Lizenz, dietel2610

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