Wie ich meine Privatsphäre suchte und was ich mit ihr tat, als ich sie gefunden hatte

LifeStyle

Der verzweifelte Kampf um meine Privatsphäre begann mit Kamera abkleben, Whatsapp löschen, und verschlüsselt mailen. Seit vor etwa neun Jahren Überwachungsmaßnahmen gegen mich begannen, die so plump und heftig waren, dass ich sie wahrnehmen konnte, begann ich über Angriffe auf meine persönliche Freiheit, über familiäre Sicherheit und über den Überwachungsstaat nachzudenken. Und über den Abbau bürgerlicher Rechte. Ermittler hatten mithilfe von verschiedenen Techniken, darunter OSINT, mehr über mich herausgefunden, als mir selbst klar war und mich zum Teil damit konfrontiert. Dafür bin ich im Einzelfall sogar dankbar, Einiges wusste ich echt nicht oder ich hatte es gut verdrängt, doch nun fürchte ich auch ganz allgemein um meine Privatsphäre in der digitalen Welt. Lange habe ich mich in allen Teilen des Internet bewegt, wie ein ahnungsloses Kind. Dann begann ich mich zu informieren.

Lars und seine Freunde

Bald war ich so gut drauf, dass ich Autor bei der Tarnkappe.info wurde. Ich wusste damals noch nicht was sich dort für Arschlöcher tummeln. Aber zumindest verschlüsselten sie ihre Kommunikation und man konnte das eine oder andere auch lernen. Freunde wurden wir aber nie. Weil mich meine Lieblingsmenschen entweder für paranoid halten oder es zu kompliziert finden, ebenfalls so ein Programm zu installieren, kann ich meine Skills jedoch kaum nutzen. Also wabern die meisten meiner Nachrichten so durchs Netz, als wären sie auf einer Postkarten geschrieben, für jeden lesbar, der es versteht sich Zugriff zu verschaffen.

Spiegelbest und Maltego

Seit mich also einige Ermittler für den Online-Piraten Spiegelbest gehalten haben, auch Maltogo macht Fehler, weiss ich, wozu Ermittler in der Lage sind, wenn sie im Namen des Gesetzes, der Sicherheit oder zur Terrorbekämpfung unterwegs sind. Ich ärgerte mich über meine Eitelkeit in den Sozialen Medien und über meine Bequemlichkeit in Bezug auf Datensicherheit. Ich habe Freiheiten verloren und unnötig eigene Rechte eingeschränkt die ich als Ostler, also quasi als relativer Neuankömmling in der freiheitlichen Gesellschaft, noch nicht sehr lange besitze. Schlimm, was man mit OSINT alles herausfinden, zusammenfassen und ableiten kann: Dienste waren dazu in der Lage zumindest zeitweise, die Kontrolle über Sequenzen meines Lebens zu erhalten. Informationen, die öffentlich zugänglich waren, genügten um massive Attacken zu fahren und mir weltweit selbst in intime Bereiche zu folgen und massiv Einfluss auf mich und auf mein Umfeld zu nehmen. Mein digitales Privatleben wurde mir vom Laptop geklaut, mein Smartphone geklont und die erlangten Informationen gegen mich verwendet! Ich wusste nicht, wie ich mich dagegen wehren sollte. Schon gar nicht wusste ich, was es mit der Psyche macht. Dieses Gefühl der Ohnmacht, das mich dann überkam, war der Horror, George Orwell und Jewgeni Samjatin lassen grüßen. Ich habe damit begonnen Bücher zu schreiben, um mir klar zu machen, was da eigentlich abläuft und um damit klar zu kommen. Ölkäfer ist nicht mehr auf Amazon, aus Gründen, wird aber bald wieder verfügbar sein. Wer eines meiner Bücher ließt, kann es einfach zuklappen und sich sagen, es ist ja nur ein Buch, vielleicht Fiktion. Aber diese Möglichkeit hatte ich nicht. Ich musste damit leben, immer, jederzeit, und ich tue es noch. Heute schalte ich das Mikrofon an meinem Laptop aus, die Kamera ist abgeklebt. Chrome verwende ich nicht mehr, seit sich der Browser als Spion von Google entpuppt hat. Stattdessen habe ich Brave installiert, und Duckduckgo ersetzt die mächtigste Suchmaschine der Welt. Ich habe Email-Adressen mit falschem Namen. Den echten brauche ich online nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Seit mehreren Jahren führe ich wieder ein Paper-Office, der Google-Kalender ist Geschichte.

Wie kann man nur so blöd sein

Obwohl ich weiss, dass es total bescheuert ist, habe ich immer noch einen Facebook-Account, den ich aber kaum nutze. Ich hatte ihn immer wieder gelöscht, auch endgültig. Doch jedes Mal kam ich wieder angeschissen. Es war einfacher mit dem Rauchen aufzuhören, aber eines Tages werde ich es bestimmt schaffen, da bin ich sicher. Und was ist mit Dir? Wie kann Dir die offensichtlich zunehmende Übermacht von Amazon, Facebook, Google, Apple und Microsoft egal sein? Na von Amazon und Microsoft bin ich weg, deshalb gibt es Ölkäfer auch vorerst nur noch auf Anfrage bei mir. Google kann mich am Arsch lecken und Apple, naja, noch nicht so ganz. Gerade wurde bekannt, dass Apple Siri nun doch nicht mehr dauerhaft mithören lassen will. Wie bitte? Die Snowden-Enthüllungen über die NSA fanden alle schlimm, aber schnell war alles wieder vergessen. Alexa, ist eben wie eine echte Freundin, nur ohne schlechten Sex und miesem Essen. Einfach brüllen und sie macht das Licht an, die Heizung aus oder die Musik leiser. Weshalb auch niemand wissen will, dass Alexa ein gewisses Eigenleben führt. Die kleine Fotze hört alles mit, Gespräche zeichnet sie sogar auf und dann verpetzt sie dich noch bei Amazon! Selbst ein Hacker hält mich für paranoid, aber Mielkes Freunde sind böse, ja? So Schlimm. Wenn der Chinese freiwillig bei einem digitalen Erziehungsprogramm mitmacht, bei dem bestraft wird, wer sich angeblich sozial schädlich verhält, ist das gruselig. Funfact am Rande: China hat seine neue Überwachungstechnologie inzwischen an mindestens 18 Staaten verkauft. Darunter Ecuador, Venezuela, Bolivien, die Vereinigten Arabischen Emirate. Und Deutschland auch, jaja. Ganz recht. Deutschland hat es gekauft, haha. Meine Familie sagt: Mir doch egal. Ist Dir klar, dass man mit seiner Bequemlichkeit zu Machtballung und Monopolbildung beiträgt. Weil die Tech-Firmen, die uns mit den entsprechenden Geräten ausrüsten, den leichtesten Zugang zu den gigantischen Mengen von Gratis-Informationen haben, sind sie die größten am Markt. So ist Google zu einer der mächtigsten Firmen der Welt geworden. Diese Daten-Diebe gefährden die freie Marktwirtschaft und die Demokratie.

Halt die Fresse Siri

Deshalb Kamera auf der Vorderseite abkleben. Nur die nötigsten Apps auf dem Handy haben, denn diese versorgen Dritte eifrig mit Daten, selbst während Du schläfst. Speichere nichts in der Cloud, lieber auf einer externen Festplatte. Siri abschalten, keine Schritte zählen lassen. Ortungsdienste nur einschalten, wenn Du Dich verlaufen hast. Facebook-Messenger? E-Mails? Nicht auf Deinem Telefon. Zahle in Bar! Als Facebook Whatsapp übernommen hat, bin ich mit meiner Familie zu Signal. Heute hat die App keiner mehr auf dem Handy. Es gibt immer wieder auch Rückschläge. Und dann ist da ja auch noch Instagram. Es ist einfach zu schön, den anderen zuzusehen, beim Glücklichsein.

Bild: ok.ru