Staatsanwaltschaft Bamberg erhebt Anklage gegen LuL.to-Betreiber

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Bereits am 21. Juni 2017 wurde das illegale Portal LuL.to im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) vom Netz genommen. Noch am gleichen Tag sperrte das CyberCrimeCompetenceCenter (SN4C) des LKA Sachsen die Domain www.LuL.to. Gegen drei Beschuldigte wurden Haftbefehle vollzogen. Nun hat die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, nach BR-Informationen, gegen die drei Männer Anklage erhoben. Sie müssen sich demnächst in München vor Gericht verantworten. Ihnen wird illegaler Handel mit E-Books und Hörbüchern im Netz vorgeworfen. Eine zweite Anklage steht für zwei der Cyberkriminellen noch ins Haus wegen Betreibens eines der größten Darknet-Marketplaces, dem Hansa-Market. In diesem Fall ermittelt die in Frankfurt ansässige Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT).

Sowohl mit dem illegalen E-Book-und Hörbuchportal Lesen und Lauschen, als auch mit dem Hansa-Market fuhren die Betreiber insgesamt 12 Millionen Euro Guthaben ein, wobei die Angeklagten auf der Plattform LuL.to E-Books, darunter auch aktuelle Neuerscheinungen und Spiegelbestseller, Zeitungen und Zeitschriften (E-Paper) sowie Hörbücher gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung stellten. Da die Seite aufgebaut war, wie ein professioneller Online-Shop, fanden sich offenbar viele gutgläubige Kunden, die deren günstige Angebote gerne annahmen. Scheinbar störten diese sich nicht am fehlenden Impressum, auch die eigentlich viel zu günstigen Angebote ließen die Kunden nicht stutzig werden.

Die Autoren wehren sich

Die Autoren sahen sich daraufhin mit der für sie schockierenden Tatsache konfrontiert, dass ihre Leser wohl Geld übrig haben für die Bücher ihrer Wahl, nur auf ihre Konten, obwohl es ja von ihnen geschrieben wurde, es ihrem Geist entsprungen ist und es ihnen auch zustehen würde, ist es offenbar nicht geflossen. Stattdessen füllte es die Taschen der drei nun angeklagten Betreiber. Infolge haben sich sechsunddreißig Selbstpublisher, die mit insgesamt 636 Titel auf LuL.to präsent waren, zusammengefunden und entsprechend Strafanzeige auch gegen die Nutzer erstattet, die nachweisbar ihre Werke auf LuL.to erworben und heruntergeladen haben. Bei dem Rechtsanwalt Tilman Winterling haben sich die Autoren fachkundige, juristische Beratung geholt. Was dabei herauskommen wird, bleibt noch abzuwarten. Immerhin soll die Plattform nicht weniger als 30.000 Kunden gehabt haben. Auch der dort angebotene Content war beachtlich. Die Ermittler des SN4C konnten im Rahmen von Durchsuchungen insgesamt über 11 Terabyte an Daten sichern. Es wurden auf der illegalen Plattform u.a. 160.000 deutschsprachige E-Books und und 28.000 Hörbücher vorgefunden.

Nachgewiesen konnten den beiden, jeweils 32 Jahre alten und aus Nordrhein-Westfalen stammenden, Betreibern von LuL.to 35.569 Fälle des gewerbs- und bandenmäßigen Computerbetrugs sowie 144.871 Fälle der gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke. Den beiden wird vorgeworfen, das Portal aufgebaut und administriert zu haben. Der dritte Mitbeschuldigte, ein 49-Jähriger aus Baden-Württemberg, soll dabei geholfen haben, die Zahlungsströme der illegalen Geschäfte zu verschleiern. Alle drei zeigten sich bei den Vernehmungen geständig, weshalb die Haftbefehle gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurden. LuL.to war online von 2013 bis 2017.

LuL.to war größte illegale Buchplattform

Thomas Goger, Oberstaatsanwalt bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg (ZCB) hebt hervor: “LuL.to war im deutschsprachigen Raum zum damaligen Zeitpunkt die größte Plattform im Internet”. Unter Umgehung des Kopierschutzes habe man sich die E-Books bei legalen Handelsplattformen verschafft und dann auf LuL.to zum Kauf angeboten “und letztlich über die sehr große Zahl an Kunden und Käufen ganz ordentlichen Reibach gemacht”. Dass die Anklageerhebung so lange auf sich hat warten lassen begründet Goger mit der Vielzahl von Delikten: “Bei so vielen Fällen ist es relativ aufwendig, jeden einzelnen davon so genau zu fassen zu kriegen, dass man ihn in eine Anklage schreiben kann.”

Leichtsinn führte zum Ergreifen der Täter

Gefasst wurden die drei Männer aufgrund einer Unachtsamkeit. Es wurde der Standort eines ihrer Server publik. Das rief Ermittler auf den Plan, die beim Server-Betreiber eine Kopie der Daten forderten. Bei der anschließenden Auswertung ergab sich, dass aus den privaten Chatprotokollen auf die Identität der Betreiber geschlossen werden konnte: “Die entscheidenden Spuren ergaben sich aus der sichergestellten Chat-Kommunikation”, weiß Georg Ungefuk von ZIT. Gemäß Informationen des BR fanden die Ermittler in mehr als 17.000 Chatzeilen unter anderem die realen Namen.

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