Norwegen: Magnus Carlsen bricht mit dem staatlichen Schachverband

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Schachweltmeister Magnus Carlsen ist aus dem norwegischen Schachverband Norges Sjakkforbund ausgetreten. Vorausgegangen war ein langer Konflikt Carlsens mit seiner Föderation wegen fehlender Förderung und Bevormundung. Zuletzt stritt man sich auch um die Zulassung von Sponsoren und die Ausrichtung für die Zukunft.

Carlsen hat den Kontakt abgebrochen

Wie bereits im vergangenen Sommer angekündigt, zieht sich Magnus baldmöglichst aus Norges Sjakkforbund zurück, schrieb sein Vater, Henrik Carlsen, in einem Brief an den Verband. Er wird Norwegen weiterhin international vertreten. Das sei mit dem Weltverband FIDE geklärt. Carlsen selbst wurde isoliert und hat keinen Kontakt mehr zu den Funktionären.

Nicht auf Spieler mit Ambition ausgerichtet

Das ist systemimmanent. In Norwegen macht man keinen Schiss in den Wald, ohne in einem der zahllosen, staatlich kontrollierten Vereine zum jeweilig entsprechenden Zweck eingetreten zu sein. Das Primärziel ist Kontrolle der Mitglieder und nicht die Förderung neuer Talente. Der norwegische Schachverband hatte Anfang diesen Jahres gegen Carlsens Willen eine Zusammenarbeit mit dem Glücksspielkonzern Kindred abgelehnt. Seitdem kämpft Carlsen gegen seinen Verband, sagte unter anderem, dieser habe nie genug getan, um Talente zu erkennen und zu fördern, das habe er aus eigener Anschauung erfahren.  Auf junge Spieler mit Ambitionen waren sie nie ausgerichtet, sagte Carlsen dem norwegischen Rundfunk.

Angriff durch Gründung eines neuen Vereins

Vor der Verbandsversammlung, bei der über eine Zusammenarbeit mit Kindred abgestimmt worden war, hatte Carlsen einen eigenen Verein gegründet, Offerspill SK. Unmittelbares Ziel dieser Gründung war, möglichst viele Delegierte zum Abstimmen schicken zu können. Obendrein soll Carlsens Verein jetzt das umsetzen, was er seinem Verband vorwirft zu versäumen: Talente fördern und Norwegen zu einer führenden Schachnation in Europa machen. Sein Engagement für diesen Verein meint Carlsen ernst. Via Lichess nimmt er an Online-Vereinsturnieren teil, erst vor einer Woche saß er für Offerspill in der zweiten norwegischen Liga am Brett.

Die Gerüchteküche brodelt

Als bekannt wurde, dass Carlsen und der norwegische Verband fortan getrennte Wege gehen, begann man sogleich Gerüchte zu streuen um Carlsen in Verruf zu bringen. Ob der Weltmeister womöglich die Förderation wechselt? Eine Gelegenheit, noch einen Nerd zu kaufen, frotzelte der zweitklassige Systemkasper Alejandro Ramirez sogleich via Twitter. Als Caruana vom italienischen zum US-amerikanischen Verband gewechselt war, hatte Carlsen, damals noch aus dem vermeintlich sicheren Schoß des System’s heraus, unfein angemerkt die USA kauften Nerds, ein augenzwinkernder Vorwurf des Landesverrates?

Kalkulierter Widerstand: Calsen kennt seine Gegner

Derlei Spekulation verstummte aber sehr bald. Der Austritt aus dem nationalen Verband sei in allererster Linie ein Symbol, hieß es aus Carlsens Umfeld. Der Weltmeister bleibt ein Norweger, und er wird weiter unter norwegischer Flagge spielen. Nicht verbunden fühlt er sich allein seinem norwegischen Schachverband.

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