Cybercrime: Investment-Betrügerring verursacht Millionenschaden

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Eine Bande Cyberkrimineller soll Kunden mit hohen Gewinnversprechen um mehrere Millionen Euro erleichtert haben. Der Staatsanwaltschaft Saarbrücken ist es, gemeinsam mit Ermittlern aus Österreich, nun gelungen, den international agierdenden Betrügerring zu zerschlagen. “Es dürfte das größte Verfahren dieser Art sein, das es jemals in Europa gegeben hat”, berichtet der Saarländische Rundfunk.

Auf gewinnbringende Geldversprechen folgt arglistige Täuschung

Die Betrüger nutzten auch hier mit dem Versprechen auf hohe Rendite die Gutgläubigkeit von  Menschen aus, indem sie ihre Kunden per Call-Center, via Chat oder über soziale Netzwerke ermunterten, große Geldbeträge zu investieren und dabei auf Aktienkurse und Währungsschwankungen zu setzen oder mit Kryptowährungen, wie Bitcoin zu handeln. Vermeintliche Berater sicherten zu, das Geld ertragreich auf einem ihrer bisher bekannten fünf Trading-Portale, “Option888”, “TradeInvest90”, “XMarkets.com”, “ZoomTrader” und “TradoVest”, einzuzahlen. Gleich nach der Anmeldung auf den Plattformen sind die Opfer bereits in die Falle getappt. Sie wurden auf lukrative Gelegenheiten hingewiesen und so zur Einzahlung von immer mehr Geld verleitet. Jedoch zu  Auszahlungen ist es dabei nie gekommen. Mit windigen Ausreden, wie der Berater sei plötzlich verreist oder Softwarefehler sind aufgetreten, haben sich auch die erhofften Gewinne in Luft aufgelöst. Fraglich ist zudem noch, ob auf den Plattformen überhaupt je ein Handel stattgefunden hat. Zum Fall teilt Michael Görlinger, der leitende Oberstaatsanwalt Saarbrücken, mit, das Ermittlungsverfahren habe: “außergewöhnliche Dimensionen. Es haben im Laufe der Ermittlungen 35  Durchsuchungsmaßnahmen stattgefunden, über fünf europäische Länder verteilt.”

35 Hausdurchsuchungen erbrachten mehr als fünf Terabyte Daten

In den 35 Hausdurchsuchungen von Callcentern, Wohnungen und Geschäftsräumen vor wenigen Wochen im Kosovo, Österreich, Deutschland, Bulgarien und  Tchechien, stellten Beamte mehr als fünf Terabyte an Daten sicher, die sie derzeit noch auswerten. Das Geschäft geht mutmaßlich deutlich über die, den Ermittlern bereits bekannten fünf Trading-Portale, hinaus. Bei Auslands-Durchsuchungen kamen Unterlagen zum Vorschein, die besagen, dass dieselbe Infrastruktur wie bei diesen Plattformen für mögliche weitere 387 Webseiten zum Einsatz kamen, Hinweise deuten sogar auf 400 solcher Plattformen hin. Wie die Ermittlungen bereits ergeben haben, läuft das Geschäft nach dem gleichen Prinzip über diese anderen dubiosen Trading-Portale ungehindert weiter.

Karsten L. – Vom Glückspielbaron zum Investment-Betrüger

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Bande vom 55-jährigen Geschäftsmann Karsten L. aus Deutschland angeführt wurde. Ebenso stammen tausende der um ihr Geld geprellten Opfer aus Deutschland – vom wohlsituierten Rentner bis zum solventen Geschäftsmann war offenbar alles vertreten. In den Kundendateien ließen sich die Namen von mehr als 200.000 Deutschen finden, allein in Saarbrücken bearbeitet man derzeit 233 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Trading-Plattformen. Im Durchschnitt verlor jeder Geschädigte mehr als 40.000 Euro, rechnet man den Schaden hoch, hätten die Cyberkriminellen Hunderte Millionen Euro mit den fünf Plattformen erbeutet. Elfriede Sixt, Wirtschaftsprüferin in Wien, will Geschädigten durch die von ihr gegründete “European Funds Recovery Initiative” (EFRI) dabei helfen, ihre Verluste, eine Schadenssumme von mehr als 17 Millionen Euro, zurückzufordern: “Der typische Geschädigte ist der Rentner im besten Alter, der ein bisschen was gespart hat”, informiert Sixt, “doch auch wohlhabende Geschäftsleute fallen immer wieder auf die Betrüger herein”.

L. war zudem noch in der Glücksspielbranche präsent, er betrieb diverse Online-Poker-Seiten und eröffnete bereits Mitte der 90er Jahre eines der ersten Online-Casinos. Logiert hat er bis zum Tag seiner Verhaftung vornehmlich in einem Tiroler Fünf-Sterne-Hotel und in Saint-Tropez. Nun sitzt er in Wien in Untersuchungshaft. Zahlreiche weitere Beschuldigte sind offenbar noch flüchtig. Alsbald soll L. ins Saarland ausgeliefert werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und vier weiteren Beschuldigten gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor.

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